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(zuletzt geändert: 26.10.2013)

 


 
Allgemeines über Theaterorgeln
 
Anmerkung:
Da in der internationalen Theaterorgel-Szene viele englische Begriffe gebräuchlich sind, habe ich
zum besseren Verständnis einige dieser Begriffe in eckigen Klammern und anderer Farbe hinzugefügt.
 


 

Für diejenigen, die sich unter dem Begriff "Theaterorgel" ["Theatre Organ"] oder "Kinoorgel" nichts
konkretes vorstellen können, hier zunächst ein kurzer Auszug aus "WIKIPEDI - Die freie Enzyklopädie":

 

Kinoorgeln sind Pfeifenorgeln, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur Begleitung von Stummfilmen in Lichtspielhäusern der USA eingesetzt wurden.
Durch die Erfindung der separaten, elektro-pneumatischen Ansteuerung jeder einzelnen Orgelpfeife (s. Multiplexsystem im Orgelbau) des englischen Ingenieurs Robert Hope-Jones wurde es möglich, mit weniger Pfeifen sehr viel mehr Klangfarben (Tonregister) darzustellen.
Die Orgeln ließen sich so sehr kompakt und kostengünstig herstellen.
Bedingt durch die neue Art der Spieltraktur konnte der Spieltisch nun auch unabhängig von der Position des Pfeifenwerks platziert werden. Damit war die Voraussetzung geschaffen, Orgeln auch im Kino einzusetzen.
Klanglich soll die Kinoorgel ein Orchester imitieren und wird daher mit einem hohen Winddruck für das Pfeifenwerk versehen, um so dem Orchesterklang näher zu kommen.
Kinoorgeln verfügen neben den Tonregistern über chromatische Schlagwerke wie z.B. Xylophon, Schlittenglocken oder Glockenspiel als auch über Schlagwerke wie Pauken, Trommeln oder Klanghözer.
Weiterhin wurden diverse Effektregister um Geräusche zu erzeugen eingebaut (z. B. Telefonklingeln, Donnergrollen, Huftrappeln).
Der Spieltisch von Kinoorgeln ist meistens hufeisenförmig ausgebildet und oftmals reich verziert.

 

Der simple Begriff "Orgel", der ja eher an eine Kirche erinnert, ist bei weitem nicht in der Lage, die vielfältigen Möglichkeiten der Instrumente zu bezeichnen - man müsste schon eher von einem "Orchester" sprechen, denn neben den typischen Pfeifenorgel-Klängen, die für den Zweck der Unterhaltung klanglich verändert, erweitert und angepasst wurden, haben die meisten Theater- bzw. Kinoorgeln zahlreiche Register für Perkussionsinstrumente (z. B. Trommeln, Xylophon, Glockenspiel, usw.) und Geräuscherzeuger ["Toy Counter"] (z. B. Klingeln, Hupen, Schritte, Wind, Wellen, Tierlaute usw.) und mehr.
Ein guter Musiker, der es versteht, sein Instrument virtuos zu bedienen, kann so aus dem Vollen schöpfen und die Dramaturgie des gezeigten Filmes enorm vertiefen.

Als dann aufgrund der fortschreitenden Technik die Stummfilme durch den Tonfilm verdrängt wurden, wurden leider auch die schönen Kinoorgeln "arbeitslos", sie wurden oft nicht mehr gepflegt und unterhalten und verfielen oder wurden gar abgebaut.
Heute sind Kino- und Theaterorgeln daher seltene und sehr wertvolle Relikte aus einer vergangenen Zeit, und sie sind es Wert, mit Liebe und Hingabe auch noch für die kommenden Generationen erhalten zu werden.

Insbesondere in den USA und in Großbritannien
, den Hochburgen dieser Orgeln, gibt es Zusammenschlüsse von Liebhabern der alten Orgeln, die sich um deren Erhaltung, Restauration und Vorführung bemühen (siehe auch meine Links). So existieren also auch heute noch (oder wieder) einige funktionsfähige Theaterorgeln in Ball- und Opernhäusern, Musiksälen, Theatern, Studios, gastronomischen Betrieben und in Privatbesitz (in entsprechend großzügen Räumlichkeiten!).

Glücklicherweise gibt es einige sehr talentierte und daher auch sehr gefragte Organisten (und den entsprechenden Nachwuchs!), die in der Lage sind, die komplizierten Instrumente perfekt zu bedienen, musikalisch das Optimum aus den Instrumenten herauszuholen und das Publikum zur Begeisterung zu bringen (das lässt sich nur schwer beschreiben, man muss es mal live erlebt haben!).

In der Regel wird eine Theaterorgel live gespielt, der Vollständigkeit halber möchte ich aber erwähnen, dass es auch Orgeln gibt, die auch datengesteuert arbeiten können, also vorher eingespielte Musikstücke abspielen können (z. B. von Lochband-Notenrollen).

Eine Theaterorgel braucht sehr viel Platz.
Meist sieht man von ihr nur den oft üppig ausgestalteten und reich verzierten Spieltisch, die Konsole ["Console"], die die Tastaturen ["Keyboards"] (bis zu 5 Manuale!), das Pedalwerk (mehroktaviges Vollpedal) und die übrigen Bedienelemente wie z. B. Registerschalter ["Stops"], enthält (siehe auch meine Bilder).

Die tonerzeugenden Elemente (Pfeifen, Perkussion usw.) befinden sich in großen "Kammern" ["Chambers"], die je nach den Raumverhältnissen in der Rückwand, den Seitenwänden, über oder unter der Bühne usw. untergebracht sind, von wo aus der Schall - oft durch bewegliche Blenden ["Shades"] regulierbar - in den Zuschauerraum gelangt (siehe auch meine Bilder).

Die Steuerung der Instrumente von der Konsole aus geschieht in der Regel elektrisch bzw. elektropneumatisch mittels Elektroleitungen und Relais, wobei auch die eigentlich nicht windbetriebenen Instrumente meist über kleine Bälge gespielt werden (also z. B. ein Bälgchen pro Xylophon-Ton oder Trommelstock).

Heute findet man die musikalischen Möglichkeiten der damaligen Theaterorgeln auch schon in elektronischen Keyboards und Heimorgeln, aber was ist das gegen den gewaltigen, echten Sound einer realen "Mighty WurliTzer"®, "Compton"® oder "Welte"® Orgel?!

Wer diesen Sound liebt, aber nicht live erleben kann, kann auf ein umfangreiches Sortiment an CDs zurückgreifen, die im Laufe der Jahre erschienen sind (insbesondere in USA und GB). Am günstigsten bekommt man diese CDs wohl in den bekannten Internetauktionen.

Wer die Theaterorgel ganz persönlich näher kennenlernen und ausprobieren will, der sollte sich die verblüffend echt gestaltete und gut funktionierende, virtuelle MIDI-Theaterorgel "MidiTzer"® auf seinen PC holen. Die Software dafür gibt's im Internet kostenlos zum Download - siehe meinen Link.

 


 

    

 


 

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