Thomas W. H. Koppermann präsentiert:

 


 
(zuletzt geändert: 11.01.2017)

 


 

Basteleien und Tipps

im Zusammenhang mit echten Orgelpfeifen

Da ich ja schon mal mit dem Bau einer Pfeifenanlage begonnen hatte, die aber nicht weiter fortgeführt wurde, bin ich in der Lage, aus eigener Erfahrung (aber ohne Gewähr) ein paar Tipps weiterzugeben.


Aufarbeitung alter Pfeifen

 

Die Orgelpfeifen, die sich ein Hobby-Orgelbauer leisten kann, sind alle alt und gebraucht und stammen meist aus den unterschiedlichsten Orgeln. Das bringt es mit sich, dass sie fast immer total verdreckt und einige davon auch reparaturbedürftig sind.

Auf jeden Fall sollten alle Pfeifen vor dem Einbau gründlich gereinigt werden, Metallpfeifen z. B. durch Spülen mit warmem Wasser. Holzpfeifen können nur ausgebürstet, ausgesaugt oder ausgeblasen werden.

 

Bei der Durchsicht gebraucht erworbener Orgelpfeifen fiel mir insbesondere auf, dass das Innere sehr verstaubt und oft auch voller Spinnweben und anderen Verunreinigungen war (kein Wunder nach so vielen Jahrzehnten des unbekannten Vorlebens!).

Also brauchte ich Reinigungswerkzeuge, mit denen ich das Innere der unterschiedlich großen Pfeifen grob reinigen konnte, denn mit einer Flaschenbürste allein war es nicht getan; die reicht höchstens für mittelgroße Metallpfeifen.

 

         

 

Hier sieht man eine Zusammenstellung meiner Reinigungswerkzeuge.

Am hilfreichsten war mir eine (neue) Klobürste (ganz links im Bild), die ich mit einem verlängerten Stiel versehen habe, um auch die langen Pfeifen reinigen zu können.

Außerdem sieht man eine lange Rundbürste, wie sie zum Reinigen von Heizkörpern u. ä. im Handel erhältlich ist.

Sehr gute Dienste leisten z. B. auch eine alte Zahnbürste, ein abgewinkelter und ein gerader Flachpinsel sowie eine Schuhbürste (alle rechts im linken Bild).

Für die kleineren, runden Metallpfeifen benötigt man dann noch Rundbürsten in unterschiedlichen Längen und Durchmessern (siehe rechtes Bild). Man sollte aber darauf achten, dass die Bürsten keine scharfen Kanten oder spitzen Enden haben, die das weiche Metall beschädigen könnten und immer sehr vorsichtig vorgehen.

Mit der Benutzung von Metallbürsten sollte man sehr zurückhaltend sein, denn damit ist die Gefahr der Beschädigung des weichen Orgelmetalls sehr groß! Besser sind Bürsten mit Kunststoff- oder Naturborsten.

Labial-Metallpfeifen kann man natürlich auch sehr gut mit einem kräftigen Wasserstrahl spülen (aber bitte nicht mit dem Hochdruckreiniger!). Beim Reinigen von Zungenpfeifen muss man sehr vorsichtig sein, denn die Holzteile sollten natürlich nicht feucht werden, und die Stimmzungen dürfen nicht verbogen werden.

 

Grundsätzlich möchte man wohl den altersbedingt meist dunkel und matt gewordnen Metallpfeifen gerne einen neuen Glanz verleihen, aber das sollte man sich bis zum Schluss aufheben, denn bis dahin werden sie noch oft angefasst.

Das Aufpolieren der Metallpfeifen kann einen eine ganze Weile beschäftigen, denn es ist eine dreckige Schwerstarbeit!

Orgelbauer fassen (glänzende) Metallpfeifen übrigens nur mit Handschuhen an.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch noch darauf hinweisen, dass Orgelpfeifen Blei enthalten können.

Blei ist giftig für den Organismus!

Deshalb beim Umgang mit Metallpfeifen bitte möglichst Handschuhe tragen und nicht rauchen oder essen!


Aufarbeitung von Stimmspunden bei gedackten Holzpfeifen

Die Spund-Knebel der gedackten Holzpfeifen sind oft nicht mehr schön anzusehen oder fehlen gar, und die Stimmschieber sind oft lose und dichten nicht mehr richtig, so dass es leicht zu Verstimmungen kommen kann.

Aus diesem Grunde biete sich eine Überarbeitung an.

Als neue Knebel verwende ich Möbelgriffe, die ich als preisgünstigen Restposten erwerben konnte:

 

 

Und so sieht es dann aus, wenn alte Spundplatten mit neuen Knebeln versehen und neu beledert sind

(solche weichen Ziegenleder-Abschnitte bekommt man im Handel als preisgünstige Reste):

 

 


 

Holzpfeifenmontage:

Oberhalb der Windlade montiert man zwei stabile Halteleisten, die es ermöglichen, die Holzpfeifen mittels rückseitiger Ösen zu befestigen. Die zu den Pfeifen zeigenden Auflageflächen dieser Leisten beklebt man am besten mit einem Filzstreifen (es geht auch selbstklebende Filzfolie), damit es später keine Kontaktgeräusche durch die schwingenden Pfeifen gibt.

 

Wenn man Holzpfeifen ohne nennenswerten Abstand voneinander aufstellt, sollte man an die linke obere und untere Kante jeder nächstkleineren Pfeife am besten einen Filzstreifen oder Filzpuffer kleben, so dass sich die Holzkörper nicht berühren können und später keine schwingungsbedingten Nebengeräusche auftreten.

Zunächst stellt man die Holzpfeifen in der späteren, engültigen Reihenfolge provisorisch auf die Windlade und zeichnet auf der Rückseite entlang der Oberkante der oberen Halteleiste einen Bleistiftstrich.

Etwas* oberhalb des angezeichneten Verlaufs der Leistenoberkante dreht man eine Ringöse mittig in die Rückseite der jeweiligen Pfeife (* die genaue Höhe hängt auch davon ab, wie weit der Pfeifenfuß später in die Windlade eintaucht).

 

 

Dann wird die Pfeife an ihren Platz gehalten und ein Nagel durch die Öse in die obere Halteleiste geschlagen, so dass die Pfeife "locker" aber sicher gehalten wird (siehe oberes Bild in diesem Abschnitt).

Um möglichst exakt festzulegen, an welchen Stellen der Windlade die Löcher für die Pfeifenfüße gebohrt werden müssen, gab mir ein Orgelbauer einen Insider-Tipp:

 

    

Man klebt exakt mittig auf das untere Ende des Pfeifenfußes einen runden Filz- oder Moosgummi-Puffer passender Größe und färbt diesen mit einem Stempelkissen ein.

 

Dann setzt man die Pfeife exakt an der richtigen Stelle an, senkt sie ab und drückt sie kräftig auf, so dass auf dem Deckel der Windlade ein runder Stempelabdruck erscheint.
Nun braucht man mittels Lineal nur noch den Mittelpunkt festzustellen und anzuzeichnen und hat dann den genauen Punkt für das Ansetzen des Bohrers (nach Erledigung aller Markierungen).

Profis glätten die gebohrten Fußlöcher abschließend mit einem konischen Brennkegel (Heimwerker, die nicht über einen Satz der sehr teuren Brennkegel verfügen, nutzen für diesen Zweck gerne einen alten, glatt gewordenen Schleifkegel, der Holz durch die Reibungshitze ebenfalls ausbrennt).

Der Pfeifenfuß sitzt später nur mit dem Eigengewicht der Pfeife im Fußloch und muss dieses dabei möglichst gut abdichten.


 

Bau von Windladen (Universal-Kastenladen für Magnetventile)

 

Ich hatte meine Windladen als Universal-Kastenladen für eine oder mehrere Reihen Pfeifen gebaut.

Als Material habe ich wegen des natürlichen Erscheinungsbildes bisher Nadelholz-Leimholzplatten der etwas besseren Qualität benutzt (bei den billigeren Baumarkt-Sonderangeboten gibt es oft Fehlstellen, die das Abdichten erschweren oder Äste, die später herausfallen und Löcher hinterlassen).

 

Idealer wären allerdings MDF-Platten, die gute Sicherheit gegen Verziehen bieten, aber leider recht schwer sind und aus optischn Gründen lackiert werden müssen.

 

Das folgende Bild zeigt eine unbehandelte und eine kieferfarben lasierte Windlade aus Nadel-Leimholz.

 

Für Interessierte hier eine Querschnittszeichnung:

 


 

Zum Abschluss dieses Kapitels eine kuriose Entdeckung:

 

"Neues Leben in alten Pfeifen"

Was passieren kann, wenn man die im wettergeschützten Terrassenverschlag gelagerten, alten Holzpfeifen eine Zeit lang nicht beachtet, zeigen die folgenden Bilder:

  

 

  

Irgendwelche Insekten (wer erkennt, worum es sich handelt, möge es mir bitte mitteilen) entdeckten auf ihrer "Wohnungssuche" meine Orgelpfeifen, schlüpften durch das Fußloch in den Hohlraum hinter den Vorschlag des Unterlabiums bzw. durch das Oberlabium bis unter den Stimmstopfen und bauten dort ihre Kammern für die Aufzucht der Nachkommen.
Wer jetzt denkt, es wäre ein Leichtes gewesen, diese Einbauten wieder zu entfernen, der irrt. Man glaubt kaum, wie stabil so kleine Tierchen bauen können; die Zellenwände waren wie betoniert, und es waren harte Werkzeuge und viel Kraft erforderlich, den Urzustand wieder herzustellen, damit die Pfeifen wieder brauchbar sind.

Zur Sicherheit habe ich natürlich alle Pfeifen dieser Serie durchgesehen, damit ich nicht später die Insekten in der Wohnung habe. (Entdeckt habe ich die "Verstopfung" übrigens nur durch probeweises Anblasen einer der Pfeifen, wobei aufgrund der "Verstopfung" natürlich kein Ton ertönte.)

 


 

    

 

    

 


 

© Idee und Umsetzung: Thomas W. H. Koppermann, 23881 Bälau (Deutschland)